Da saß ich und sah in zwei gelangweilte Gesichter.

Die beiden Herren aus der Privatvermittlung hatten mir erklärt, dass sie den Wasserdrachen als Haustier besorgt hatten, aber nicht gewusst hätten, dass er solchen Schaden anrichten könnte.

Ich hatte ihnen daraufhin versucht zu erklären, dass meine Abteilung nicht für solche Schäden zuständig sei. Doch das einzige was sie anscheinend hören wollten war, dass ich mich darum kümmerte ihr Büro wieder betrettbar zumachen.
„Ich habe es ihnen zwar schon mehrmals erklärt aber ich mache es gerne wieder: Meine komplette Abteilung und ich sind darauf spezialisiert Flüche zulösen und dem Einfangen von Werwesen und Kobolden. Sie müssen zu einer anderen Abteilung wenn sie ihr Problem gelöst haben wollen.“ Mein Kopf begann mir höllisch wehzutun. Sei es wegen ihrer leeren Blicke oder das ich schon ein einhalb Stunden mit ihnen diskutierte.
„Wir wollen aber nicht noch Tage warten, sondern jetzt eine Lösung haben.“ Mr. Lorring, wie er sich mir vorgestellt hatte, war ein kleiner Untersetzter Mann mit Schnauzbart und einer großen schwarzen Hornbrille. Und so wie er sich mir gegenüber gab merkte ich dass er anscheinend Frauen für komplett unfähig hielt.
„Ich werde es ihnen nicht noch einmal erklären, Mr. Lorring... Ich bin nicht in der Lage ihnen zu helfen.“ Meine Laune war komplett am Tiefpunkt.
Mr. Kennowitz, Lorrings Partner, sah zwischen uns beiden kurz hin und her, räusperte sich dann.
„Ich glaube mein Partner und ich haben ihre Zeit lange genug beansprucht, Mrs MacDougall. Wie wäre es wenn sie nächste Woche jemanden einfach vorbei schicken würden? Jemanden aus der richtigen Abteilung?“ Mr. Lorring öffnete kurz den Mund doch als ihn sein Partner ihn ansah schloss er ihn ganz schnell.
Ich seufzte und dachte kurz nach.
„Das wäre durchaus möglich ich müsste mich nur vorher mit der anderen Abteilung in Verbindung setzten.“
„Das wäre hervorragend, wäre es da möglich uns am Montag bescheid zu geben, wann denn jemand vorbeikommen würde?“
„Aber natürlich! Ich würde dann gegen Mittag bei ihnen anrufen, in Ordnung?“ Ich war erleichtert anscheinend konnte man mit ihm besser reden als mit seinem Kollegen.
„Perfekt, ich danke ihnen Mrs MacDougall.“ Beide standen auf und gingen zur Tür.
„Bis Montag also...“ Beim aufstehen, nickte ich ihm zu.
Die Unterlagen weg räumend sah ich mich kurz im kargen Büro meines Kollegen um. Silas hatte nichts Persönliches hier stehen keine Fotos seiner, doch recht großen Familie, keine Pflanzen oder sowas, nicht einmal eine Kaffemaschine! Und wie Silas schon gesagt hatte war es nun alles andere als warm im Büro, ich brauchte einen heißen Tee, um die nächsten Stunden im Büro zu überleben.
Der Automat spuckte und röchelte als wären es seine letzten Atemzüge. Als der Automat fertig war, war der Becher nicht einmal halb voll, so langsam hatte ich die Schnauze voll nichts hier im Orden funktionierte wie es sollte und an Freitagen war ich um halb Fünf anscheinend die einzige hier im Büro.
„Warum ich? Was Hab ich getan so etwas zu verdienen?“ Fragte ich die Decke und trottete wieder zurück zu Silas’ Büro vor dem anscheinend sein nächster Termin wartete.
„Gute Tag, kann ich ihnen helfen?“ Ich stand direkt vor ihr und kramte in meiner Jackentasche nach dem Schlüssel zum Büro.
„Ich suche Mr. Silas Nèmec. Ich glaube mal das ich hier falsch bin, oder?“ Sie sah genauso so aus wie ich aussehen wollte ihr schwarzbraunes Haar war sorgfältig zu einem Zopf geflochten klein, zierlich und ein Herzförmiges Gesicht. Ich war mindestens zwei Köpfe größer als sie, schlaksig und meine Haare fielen mir immer ins Gesicht, egal wie ich sie trug. Aber es umgab sie eine Aura die ich so nur einpaar mal gesehen hatte und das bei ganz bestimmten Leuten.
„Sie müssen Mrs. Lancaster sein, richtig?“ Sie nickte nur knapp. „Mein Kollege, Mr. Nèmec, hat mich gebeten für ihn einzuspringen, da er einen wichtigen Termin hat, den er nicht verschieben konnte. Mein Name ist Morgan MacDougall.“ Ihr lächeln war ehrlich und freundlich, doch bekam ich es nur kurz zusehen.
„Das ist schade, dass ihr Kollege nicht da ist.“ Sie sah kurz auf ihre Uhr. „Dann muss ich mir einen neuen Termin geben lassen.“
„Oh, das müssen sie nicht machen. Ich bin genauso qualifiziert wie er, vielleicht kann ich ja auch weiter helfen?“ Mit einiger Mühe hatte ich die Tür aufbekommen und bat sie herein. Ich merkte ihr an das sie mit sich kämpfte, sie wollte nicht unhöflich sein und gehen, aber sie ging unentschlossen vor mir ins Büro und nahm, auf dem von mir angebotenen Stuhl platz.
Meinen inzwischen kalt gewordenen Tee stellte ich auf die Fensterbank neben Silas Schreibtisch und betrachtete mein Gegenüber noch einmal genauer.
„Sie sind eine Mährin, habe ich Recht?“  Ich wusste nicht warum ich sie so offen fragte aber etwas sagte mir das ich frei mit ihr reden konnte.
In ihren Augen konnte ich sehen dass sie nicht mit so einer Frage gerechnet hatte.
„Ja, ich bin eine Mährin... Woher wissen sie das?“ Sie war dabei ihre Jacke auszuziehen merkte aber dass es im Büro doch recht kalt war und zog sie wieder an.
„Ihre Aura ist anders, wenn ich das sagen darf. Sie ist heller als bei „normalen“ Menschen.“ In der Luft machte ich die Gänsefüßchen und hoffte sie nahm es mir nicht böse.
„Aha, das wusste ich nicht, aber danke dass sie mir es sagen...“ Sie trug nur Markenkleidung von Designern von denen ich nicht mal die Namen kannte. Aber ihre Tasche kannte ich, ich hatte die gleiche vor einpaar Wochen in der Einkaufscenter gesehen und wusste dass sie drei volle Monatsgehälter von mir kostete.
„Also womit kann ich ihnen den helfen, Mrs. Lancaster? Mein Kollege meinte sie hätten einen Fluch den wir brechen sollen?“ Leicht zurück lehnend betrachtete ich sie, um zu sehen ob ich einen Fluch bei ihr erkennen konnte, fand aber nichts außer einem ziemlich gut versiegeltes Amulett, das sie als Armband trug.
„Es handelt sich nicht direkt um mich, sondern um meinen Bruder, wissen sie er kam schon als Dunkler auf die Welt und als mein Vater damals einen Packt mit einem Dämonenfürsten einging hat er, also mein Vater, mit meinem Bruder diesen besiegelt. Doch damals war noch eine Hexe mit einbegriffen die etwas gegen des Bündnis hatte und so verfluchte sie meinen Bruder und meinen Vater.“ Ich überlegte kurz was ich über Dunkle wusste, sie waren empfindlich gegenüber Sonnenlicht, hatten keine Seele bis sie ihre Auserwählte fanden, sie konnten nur von Blut leben... Irgendwas war noch gewesen aber was wusste ich nicht mehr.
„Okay und was bewirkt der Fluch? Schlechtes Aussehen, Pickel oder Warzen?“
„Oh das wäre ja noch ertragbar gewesen!“ Sie lachte leicht und sah mich dann wieder ernst an. „Immer wenn mein Bruder mit jemanden näheren Kontakt hat, stirb die Person über kurz oder lang.“ Ihre Augen funkelten mich an.
„Okay das ist nicht das was ich erwartet habe, aber regelbar. Haben sie den Namen der Hexe oder sogar ihre Adresse?“ Zum Computer umdrehend, dachte ich daran, dass solche Hexen ihrer Macht erleichtert werden sollten.
„Ihr Name war Tovah. Sie werden sie aber nicht mehr finden. Sie starb schon vor über 500 Jahren.“ Im Schreiben inne haltend drehte ich mich zu ihr um und sah sie ungläubig an.
„Wie bitte?“
„Sie wissen doch vermutlich das Mähren sehr lange leben, oder?“ Ich schüttelte den Kopf. Mist, das hatte ich also vergessen.
„Schade, aber jetzt wissen sie es ja.“
„Darf ich fragen wie alt ihr Bruder ist und wie lange der Fluch auf ihm lastet?“
„Mein Bruder ist jetzt 637 Jahre und der Fluch müsste jetzt ca. 630 Jahre auf ihm lasten.“ Ich musste schlucken, der Fluch hatte sich bis jetzt in jede Faser seines Körpers gefressen und so leicht würde er sich nicht mehr lösen. Das war ein Problem dem sich Silas später stellen müsste.
„Ich war nur etwas überrascht. Entschuldigung, so etwas sollte mich nicht so leicht aus der Fassung bringen, nicht wahr? Und warum sind sie nicht Früher zum Drachenorden gekommen? Den Orden gibt es so weit ich weiß über 1000 Jahre.“ Die Verblüffung muss in meinen Augen gestanden haben den sie lachte wieder.
„Oh wir haben es mit vielen Methoden versucht aber mein Bruder hatte nach knapp 300 Jahren keine Lust darauf. Ich selber bin eigentlich nur hier weil ein Bekannter von mir gesagt hat, dass hier ziemlich fähige Leute arbeiten.“
Ich nickte. Sie hatte recht wir waren alle mehr oder minder qualifiziert, aber einen knapp 600 Jahre alten Fluch von einem Lebenden Menschen oder Dunklen zu lösen, das schafften nicht mal eine handvoll von Leuten auf der Welt, wenn überhaupt.
„Da muss ich ihren Bekannten Recht geben, wir sind alle fähig Flüche und Banne zu lösen. Aber einen 600 Jahre alten Fluch habe selbst ich in meiner Amtszeit hier noch nicht gelöst oder überhaupt zu Gesicht bekommen.“ Entschuldigend sah ich sie an.
„Mein Bekannter meinte, dass so etwas wirklich selten vorkommt. Er sagte aber auch die Leute in dieser Abteilung würden sich davon nicht zurück Schrecken lassen.“ Sie zwinkerte mir zu. War es eine Aufforderung gewesen?
„Also da haben sie Recht, wir lassen uns davon nicht abschrecken. Wie wäre es wenn sie ihren Bruder am Montag hierher begleiten und ich mir den Fluch mal sehe?“ Ich holte meinen Terminplaner heraus.
„Es tut mir leid, aber das ist nicht möglich.“
„In Ordnung, dann sagen sie mir einfach einen Termin wo sie können.“ Fragend hob ich meine Augenbrauen.
„Einen anderen Termin kann ich ihnen auch nicht geben. Wenn sie meinen Bruder kennen lernen würden wäre ihr leben nicht mehr sicher. Wissen sie der Fluch hat nur Auswirkungen auf Frauen die mein Bruder besser kennen lernt, sie verstehen?“
„Moment, der Fluch bringt nur Frauen um?“
Sie nickte. Ich dachte einen Augenblick nach und sah sie dann freundlich an.
„Ich habe eine Idee ich mache den Termin einfach wieder bei meinem Kollegen Mr. Nèmec und erkläre ihm am Montag einfach die Situation. Dann brauchen sie sich keine Sorgen machen.“ Ich lächelte sie an und schrieb Silas eine Nachricht.
„Das ist wirklich nett von ihnen. Ich gebe ihnen meine Karte da kann Mr. Nèmec mich dann anrufen wann es ihm am besten passt.“ Sie reichte mir ihre Karte und stand auf.
„Ich wünsche ihnen ein schönes Wochenende, Mrs. MacDougall.“ Ich schüttelte ihre Hand und lächelte.  „Es war ein informatives Gespräch mit ihnen.“
Mit diesen Worten ging sie raus und ließ mich ziemlich verwirrt zurück.