Das klare türkisblaue Wasser kühlte meine Füße und reflektierte die strahlende Sonne vom wolkenlosen Himmel. Der laue Wind brachte nur die warmen Düfte des tropischen Waldes in meine Nase und der weiße Strand war menschenleer. Ich war alleine auf meiner tropischen Trauminsel umgeben von nichts weiterem als der Vegetation und den Tieren der Insel.
Hier war ich glücklich.
Ich ging einpaar Schritte den Strand hinauf zu meiner kleinen Hütte.

Das Windspiel drehte sich leicht im Wind und klimperte leicht, als die daran hängenden Muscheln aneinander stießen. Ich ließ mich vor der Hütte in den Sand sinken und  fühlte mich einmal mehr absolut zufrieden. Ein kleiner Papagei landete vor meinen Füßen und sah mich mit schief gelegtem Kopf an.
„Na mein Kleiner, was willst du denn?“ Fragte ich ihn und streckte meine Hand nach ihm aus.
„Morgan wach auf...“, bekam ich als Antwort.
„Was?“ Ich sah ihn verdutzt an. Er drehte seinen Kopf auf die andere Seite und sah mich durch dringend an. „Mac wach endlich auf!“ Der Vogel war auf meine Schulter geflogen und schüttelte mich leicht.
Ich öffnete langsam meine Augen und sah in das Gesicht meines Kollegen Silas.
Er seufzte und lies von mir ab.
„Was ist denn?“ Ich rieb mir die Augen und streckte mich. Beim aufstehen schnappte ich mir meine Kaffeetasse und sah Silas fragend an.
„Nein danke ich will keinen Kaffee. Wir haben es 13 Uhr mittags und du schläfst offensichtlich am Arbeitsplatz. Du solltest vielleicht noch mal an einer Belehrung über das Verhalten am Arbeitsplatz teilnehmen. Da wüsstest du dass das Schlafen am Schreibtisch nicht grad positiv auf Vorgesetzte wirkt.“ Er setzte sich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch und sah mir zu wie ich Kaffee in meine Tasse goss.
„Was sollen die den bitteschön machen? Mich suspendieren? Ich bin die einzige die sich hat breit schlagen lassen an diesem Wochenende den Notdienst zu machen. Also hab dich mal nicht so.“ Als ich zurück zu meinem Stuhl ging vermied ich es aus dem Fenster zuschauen, ich wusste auch so das draußen eine einzige Winterwunderlandschaft war und das es seid 4 Tagen nicht aufgehört hatte zuschneien.
„Da hast du auch wieder Recht...“  Er blickte mich kurz an, doch sein Blick hielt meinem nicht lange Stand.
„Silas?“ Fragend zog ich meine Augenbrauen hoch, doch er reagierte nicht.

„Silas, was ist los?“ Ich kannte Silas jetzt schon über 10 Jahre und wusste wann er etwas fragen wollte.
„Morgan du hast doch letztens, als ich dir bei der Sache mit den kobolden geholfen habe doch gesagt ich hab was bei dir gut oder?“ Er benahm sich mal wieder wie ein kleines Kind und zupfte an den Ärmeln seiner Jacke herum. Trotzdem ahnte ich schon worum er mich bitten würde.
„Das stimmt ich hab dir gesagt ich schulde dir etwas, obwohl ich da eher an ein Bier im Pub gedacht habe, aber schieß los.“ Ich trank einen Schluck von meinem Kaffee und sah Silas über den Rand hinweg an.
„Weißt du ich hab heute Abend ein Date. Aber sie hat vorhin angerufen und gesagt das sie doch schon früher kann...“
„Und?“ Musste ich ihm wirklich alles aus der Nase ziehen?
„Und ... das kann ich mir nicht entgehen lassen! Sie ist die Frau meiner Träume. Sie ist wunderschön, hat zwei wahnsinnig lange Beine, nicht drei wie bei dem Poltergeist vor einpaar Monaten. Und ihre...“ Er hatte seine Hände vor seine Brust gehalten und sah mich auf einmal direkt an.

„... ihre Augen.... einfach zum verlieben!“
Meine rechte Augenbraue war langsam nach oben gegangen und ich sah ihm an das ihm die Situation unangenehm war.
„Und jetzt soll ich für dich den Restlichen Nachmittag deine Termin übernehmen, richtig?“ Er nickte eifrig und seine unnatürlich blonden Haare wippten auf und ab.
„Genau machst du das bitte, bitte!“

Flehend sah er mich an und tat mir so leid wie selten, nach der Sache mit dem Habergeiss hatte er geschworen so schnell mehr keine Frau attraktiv zu finden aber  als männliche Nymphe musste er seinem Schicksal treu bleiben und jeder Frau hinter her laufen und ihr verfallen.
„Wie viele stehen denn für heute noch in deinem Kalender?“ Seine Augen fingen an zu leuchten und er grinste mich fröhlich an.
„Danke, Danke! Ich wüsste gar nicht...“ Meine Hand hebend gebot ich ihm Einhalt.
„Moment mal, ich hab noch nicht ja gesagt, also sag erst wie viele Termine du eigentlich noch hättest.“
„Oh ja, warte...“ Er kramte in seiner Jackentasche und holte einen kleinen Zettel heraus, auf dem er anscheinend seine Termine vermerkte.

„Ähm...Um 15 Uhr kommen die beiden Herren aus der Privatvermittlung in Islington wegen dem Wasserdrachenschaden bei ihnen im Büro und um 17 Uhr hätte ich nur noch den Termin mit einer Annaleen Lancaster, sie meinte irgendetwas von einem Fluch, den wir uns vielleicht mal anschauen könnten. Das war’s.“ Freundlich lächelnd sah er mich an.
Da ich wusste, dass bei mir an dem Tag sowieso niemand mehr vorbei schauen würde, nickte ich und streckte ihm meine Hand entgegen. „Abgemacht und damit sind wir quitt hast du verstanden, Silas?“ Silas sprang auf und grinste über beide Ohren.
„Danke dir. Damit sind wir quitt!“ Er gab mir den Schlüssel für sein Büro in die Hand und ging schnell zu meiner Tür und drehte sich noch mal um. „Du solltest dir einen Schal mitnehmen Mac, die Heizung in meinem Büro funktioniert nicht.“ Und damit war er auch schon verschwunden und mein freier Freitagnachmittag gestorben.